Was ist eine AI Job Card? Die Arbeitsanweisung für KI
Auftrag, rote Linien, Aufsicht, Stopp-Regel: Die AI Job Card legt fest, was KI in einem Ablauf tun darf – lesbar für Fachbereich und Entwicklung.
Dr. Saskia Dörr
10/17/20262 min lesen
Eine AI Job Card beschreibt einen KI-Agenten so, wie eine Stellenbeschreibung eine Rolle im Team beschreibt: wofür er da ist, was er darf und was nicht, wer ihn beaufsichtigt und wie er in den Arbeitsablauf eingebunden ist. Sie entsteht, bevor die technische Umsetzung beginnt, und ist für Fachbereich und Entwicklung gleichermaßen lesbar.
Kurz gesagt: Erst die Rolle beschreiben, dann das Tool bauen.
Wofür: Für Teams, in denen ein KI-Agent regelmäßig Vorarbeit für andere leisten soll – etwa Antworten im Kundenservice vorbereiten, Berichte entwerfen oder Unterlagen abgleichen – und für die IT oder den Umsetzungspartner, der diesen Agenten baut.
Warum braucht ein KI-Agent eine Rollenbeschreibung?
Solange jede und jeder KI für sich nutzt, reicht persönliche Sorgfalt. Sobald ein Agent aber für das ganze Team arbeitet, braucht es Antworten, die nicht in einem Prompt stehen: Welche Befugnisse hat er? Wer steht für seine Ergebnisse gerade? Wer schreitet ein, wenn etwas schiefgeht? Ohne Rollenbeschreibung werden diese Fragen oft erst im Schadensfall gestellt.
Die AI Job Card bündelt die Antworten an einem Ort. Sie macht einen Agenten steuerbar, übergabefähig und nachweisbar – auch dann, wenn die Person wechselt, die ihn eingerichtet hat.
Für die technische Seite gibt es solche Dokumentation längst: Model Cards halten fest, wofür ein Modell gebaut wurde, womit es trainiert wurde und wo seine Grenzen liegen. Genau dort endet dieser Nachweis aber. Die AI Job Card beantwortet die Fragen danach: Welche Rolle hat das System in diesem Team, was darf es, und wer steht dafür gerade?
Was steht auf einer AI Job Card?
Die Karte hat zwei Teile. Ein Stammblatt entsteht vor dem Einsatz und beschreibt Rolle, Auftrag, Befugnisse und Grenzen, Fähigkeiten sowie die Einbindung in den Ablauf. Eine laufende Akte wird im Betrieb fortgeschrieben: Leistung, Wirkung auf die beteiligten Menschen und Status des Agenten.
Keine dieser Fragen beantwortet "die KI" selbst oder die IT-Abteilung. Es sind Führungs- und Organisationsentscheidungen.
Ein Beispiel aus dem Kundenservice
Ein Serviceteam erhält täglich viele Standardanfragen, die sich mit vorhandenem Wissen beantworten lassen, aber jeweils Recherche kosten. Es beschreibt einen Agenten, der Antworten vorbereitet.
Die wichtigste Festlegung auf seiner Karte ist eine Grenze: Er bereitet vor, verschickt aber nichts, äußert sich nicht zu rechtlichen Fragen und sieht keine Kundenstammdaten. Jeder Vorschlag wird von einer Mitarbeiterin geprüft, ergänzt und versendet. Die Karte hält auch fest, wo der Agent irren kann – und wie das Team seine eigene Kompetenz erhält, etwa durch regelmäßige Bearbeitung ohne KI.
Was die AI Job Card nicht ist
Sie ersetzt weder die technische Umsetzung noch die Prompt-Entwicklung. Sie enthält keine Prompt-Texte oder Einstellungen. Sie formuliert die Anforderungen aus Sicht des Fachbereichs so, dass die Entwicklung daraus bauen kann – und Führungsentscheidungen nicht nebenbei im technischen Dokument entstehen.
Die AI Job Card im Delegationsbriefing Im Delegationsbriefing entsteht für einen konkreten Arbeitsablauf eine Umsetzungsspezifikation im Format der AI Job Card – die Grundlage, mit der Ihre IT oder Ihr Umsetzungspartner direkt arbeiten kann. Welche Aufgaben überhaupt dafür infrage kommen, zeigt der Beitrag KI-Delegationsdiagnose: Wann eine Aufgabe an KI gehört.
Dr. Saskia Dörr ist Gründerin von yumo. Die AI Job Card stammt aus ihrem Buch „Mensch-KI-Teams führen – Wie Teamleads die Arbeit mit KI produktiv und menschenzentriert gestalten“, das 2027 bei Springer Gabler erscheint.
Quellen
Dörr S (2027): Mensch-KI-Teams führen. Kapitel 2: Verstehen. Springer Gabler (in Vorbereitung).
Mitchell M et al. (2019): Model Cards for Model Reporting. Proceedings of FAT* 2019. doi.org/10.1145/3287560.3287596
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